JEDE DRITTE FRAU WIRD MINDESTENS EINMAL IN IHREM LEBEN OPFER VON PHYSISCHER UND/ODER SEXUALISIERTER GEWALT. SOMIT KENNEN WIR ALLE MINDESTENS EINE FRAU IN UNSEREM UMFELD, DIE VON GEWALT BETROFFEN IST. ES KÖNNTE DIE SCHWESTER, BESTE FREUNDIN ODER KOLLEGIN BETREFFEN
– GEWALT GEGEN FRAUEN GEHT UNS ALLE AN!

Gewalt gegen Frauen? Das gibt es in meinem eigenen Umfeld gar nicht – so denken noch viel zu viele Menschen. Tatsächlich ist Gewalt gegen Frauen in allen sozialen Schichten und Altersgruppen traurige Realität – tagtäglich kommt es zu sexuellen Übergriffen, Mobbing, Stalking und anderen Formen von sexualisierter Gewalt. Bundesweit sind Statistiken zufolge über 12 Millionen Frauen mindestens einmal in ihrem Leben von physischer und/oder sexualisierter Gewalt betroffen. Das ist jede 3. Frau. Und nur die wenigsten setzen sich aktiv gegen geschlechtsspezifische Gewalt ein – obwohl 96 % der Bevölkerung in Deutschland solche Übergriffe ablehnen und verurteilen.


Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) hat uns gebeten:

Eine Kampagne gegen Gewalt an Frauen zu entwickeln, die:

  • die gesamte Gesellschaft einbezieht und Menschen motiviert, aktiv zu werden, so dass mehr betroffene Frauen – und auch betroffene Männer – Mut haben und sich wehren, wenn sie von körperlicher, sexueller oder psychischer Gewalt betroffen sind,
  • mehr Menschen im Umfeld von betroffenen Personen dazu bewegt, hinzusehen und ihnen zu helfen,
  • insbesondere in Krisenzeiten, wie der aktuellen Corona-Pandemie, Betroffenen von häuslicher Gewalt zeigt, wo sie Hilfe finden.

STRATEGIE & UMSETZUNG

Bisherige Ansätze, Gewalt gegen Frauen sichtbar zu machen, haben dies über Bilder versucht, die geschlagene oder weinende, verzweifelte Opfer zeigten. Das verfestigte die Vorstellung von der Hilflosigkeit der Betroffenen und der Macht der Tatpersonen. Wir sind mit unserer Idee einen anderen, einen neuen Weg gegangen: Wir wollen alle Menschen darin bestärken, gegen Gewalt an Frauen aktiv zu werden. Wir lenken den Blick auf das, was jede und jeder von uns tun kann. Dafür haben wir das Thema in die persönliche Lebenswirklichkeit der Menschen geholt. Wir haben Fachpartnerorganisationen zusammengebracht, die Hilfe und Beratung geben und mit www.stärker-als-gewalt.de eine Plattform geschaffen, die diese bundesweiten Hilfeangebote bündelt und Menschen zum Handeln befähigt.

WIR WOLLTEN WISSEN: WAS IST DEINE ZAHL?

Um die öffentliche und mediale Aufmerksamkeit für die erschreckend hohen Zahlen der Gewalt an Frauen auf eine neue ungewöhnliche Art zu gewinnen, haben wir zum Auftakt im November 2019 die Menschen in Deutschland gefragt: „Was ist deine Zahl?“

Denn wenn jede 3. Frau in Deutschland betroffen ist, dann kennt jede und jeder von uns mindestens eine. Damit man für sich selbst errechnen konnte, wie viele Frauen im persönlichen Umfeld betroffen sein können, haben wir ein Rechner-Tool für die „Stärker als Gewalt“-Website entwickelt, das die Anzahl der – statistisch wahrscheinlich – von Gewalt betroffenen Frauen im eigenen Umfeld ermittelt: Im Freundeskreis, im Kolleginnenkreis, in der Facebook-Community, in der eigenen Stadt.

  • Zum Start der Initiative am 25. November 2019 zeigten wir in den 22 größten Städten Deutschlands mit einer Guerilla-Lightning-Aktion animierte Projektionen der statistisch wahrscheinlichen Zahl betroffener Frauen in der jeweiligen Stadt.
  • Unterstützung holten wir uns von zahlreichen Influencerinnen und prominenten Personen, die ihre persönliche Zahl in den sozialen Medien veröffentlichten und so auf das Thema und die Aktion „Was ist Deine Zahl?“ aufmerksam gemacht haben.

WIR FRAGTEN: ZUHAUSE NICHT SICHER?

Die Corona-Pandemie mit ihren harten Lockdown-Phasen und mit umfangreichen Kontaktbeschränkungen: In deutschen Haushalten wachsen jedes Mal die Spannungen – und das Risiko für häusliche Gewalt steigt.

Wir haben mit „Stärker als Gewalt“ sofort gehandelt und in kürzester Zeit eine Ad-hoc-Aktion gestartet, um Betroffenen zu helfen.



Unsere Idee:

Wir platzieren Hinweise auf die Hilfeangebote an den Orten, zu denen Menschen während der Corona-Lockdowns noch uneingeschränkten Zugang haben: In Supermärkten und sozialen Medien.

In Zusammenarbeit mit den acht größten Einzelhandelsketten in Deutschland haben wir unter der Frage „Zuhause nicht sicher?“ deutschlandweit hunderttausende Hinweise auf die Hilfeangebote von „Stärker als Gewalt“ an prominenten Orten in den Märkten platziert. Damit haben wir nicht nur Betroffene erreicht, sondern auch ihre Nachbarschaft, den Freundeskreis und Familienmitglieder, die helfen können.

Durch eine intelligente SEA/Social-Ad-Kampagne haben wir die Vor-Ort-Maßnahmen ergänzt, um sicherzustellen, dass jede Person, die online während der Corona-Zeit Hilfe sucht, diese leicht findet.

UND WIR FRAGTEN AUCH: IM NETZ NICHT SICHER?

Digitale Gewalt gegen Frauen im Internet ist kein Randphänomen, sondern ein wachsendes Problem, das die gesamte Gesellschaft angeht.

Damit das Netz ein Ort bleibt, wo sich jede Frau angstfrei bewegen kann, haben wir das Thema zum Gegenstand einer digitalen Kampagne gemacht und gezeigt, wie man gegen digitale Gewalt aktiv werden kann.

  • Ein Spot sowie aufmerksamkeitsstarke Ad-Formate in den sozialen Medien haben eindrücklich veranschaulicht, wie digitale Gewalt plötzlich zu einer realen Bedrohung im Alltag wird.
  • Wir haben spezielle Instagram-Templates und GIFs gegen digitale Gewalt entwickelt, mit denen Nutzerinnen und Nutzer sofort reagieren können, wenn ihnen digitale Gewalt in Form von diffamierenden Kommentaren im Netz begegnet. Influencerinnen und Prominente haben die Aktion über ihre sozialen Kanäle unterstützt.
  • Im Oktober 2020 haben wir das halb-digitale Event „Im Netz nicht sicher? Gemeinsam sind wir #StärkerAlsGewalt“ organisiert. Wir haben dazu die Plattform Basecamp der Telefonica Deutschland als Kooperationspartner gewonnen und eine digitale Live-Diskussion mit Bundesfrauenministerin Franziska Giffey und den Influencerinnen Cheyenne Ochsenknecht und Diana zur Löwen umgesetzt.

WIR HOLTEN DIE NACHBARSCHAFT GEGEN HÄUSLICHE GEWALT INS BOOT

Ein aufmerksames direktes Umfeld ist bei häuslicher Gewalt in Familien und Partnerschaften besonders wichtig. Nachbarinnen und Nachbarn, die nicht wegschauen, sondern Betroffenen helfen wollen, zeigen, welche Handlungsmöglichkeiten es gibt und wo sie Hilfsangebote finden.

Deshalb haben wir im November 2020 einen Aktionsmonat gegen häusliche Gewalt gestartet.

  • In Kooperation mit Unterstützerinnen und Unterstützern aus Wirtschaft und Zivilgesellschaft – u.a. Einzelhandelsketten, Shopping-Center, ÖPNV-Unternehmen und Verbände – machten wir auf die Initiative „Stärker als Gewalt“ und ihre Hilfsangebote aufmerksam.
  • Ein eigens entwickeltes Toolkit bot digitale Vorlagen für Aktionsformate, die schnell und einfach vor Ort umgesetzt werden konnten – in Schaufenstern, auf Infoscreens oder auf Websites.
  • Begleitend war „Stärker als Gewalt“ mit einer großen Out-of-Home Kampagne in 38 deutschen Städten präsent, die wir zu diesem Anlass kreiert haben.

Am 25. November veröffentlichte der Rapper Eko Fresh seinen Song „Stärker als Gewalt“ zusammen mit vielen prominenten Unterstützerinnen und Unterstützern, den wir als Unterstützer für die Initiative gewinnen konnten.

DAS HABEN WIR ERREICHT

  • Aufmacher der Tagesschau am 25.11.2019 zum Start der Initiative.

  • Gewinnung von mehr als 100 Unternehmen, Verbänden, Organisationen und Kommunen als Unterstützer der Initiative innerhalb des ersten Jahres.

  • Einbindung von rund 20 reichweitenstarken Content Creators, deren Beiträge 7,5 Millionen Impressionen erzielt haben.

  • Bis zu 26.000 teilnehmende Supermärkte an der Aktion „Zuhause nicht sicher?“.

  • Steigerung der Anfragen bei den Hilfe- und Beratungsstellen um ca. 20 % in 2020 – insbesondere auch aus dem Umfeld betroffener Personen.

 

 

FILM ÜBER DIE INITIATIVE