Immobilienbranche sieht eigene Leistung unzureichend gewürdigt

  • Studien & Insights
04. Oktober 2016
Immobilienbranche sieht eigene Leistung unzureichend gewürdigt

Die Vertreter der Immobilienwirtschaft in Deutschland halten ihre Branche für gesellschaftlich äußerst relevant, sehen aber die eigene Leistung für die Allgemeinheit viel zu wenig gewürdigt. Das geht aus einer aktuellen Umfrage von der Kommunikationsagentur Edelman.ergo hervor, die deren Ergebnisse am heutigen Dienstag im Rahmen der Immobilienmesse Expo Real in München präsentiert.

Edelman.ergo befragte mehr als 300 Führungskräfte und Mitarbeiter von Immobilienunternehmen nach ihrer Einschätzung zu Relevanz und Reputation der Immobilienwirtschaft. Drei von vier Teilnehmern stimmen dabei der Aussage zu, dass die Branche eine hohe gesellschaftliche Bedeutung hat. Gleichzeitig beklagen 63,8 Prozent, dass die Öffentlichkeit die Leistung der Immobilienwirtschaft für die Allgemeinheit nicht ausreichend anerkennt; lediglich 6,4 Prozent sehen ihren Wirtschaftszweig ausreichend gewürdigt.

Branche muss eigene Leistung besser erklären

Entsprechend durchwachsen fällt auch die Selbsteinschätzung der Immobilienprofis im Hinblick auf die Reputation ihrer Branche aus: Weniger als 20 Prozent schätzen sie als sehr gut oder gut ein; 22 Prozent halten sie dagegen für schlecht oder sehr schlecht. Bei den einzelnen Teilbereichen der Immobilienwirtschaft wie Maklerunternehmen und Banken wird ihr ein besonders schlechter Ruf zugeschrieben. Die Reputation von Wohnungsgenossenschaften und Architekten schätzen die Befragen mehrheitlich als gut oder sehr gut ein. 

Bei der Suche nach den Ursachen dafür, geben sich die Branchenvertreter durchaus selbstkritisch: So sagen fast 70 Prozent, dass Immobilienunternehmen zusätzliches Vertrauen gewinnen können, wenn sie sich aktiv in die Lösung gesellschaftlicher Fragen einbringen. Aber nur 25,5 Prozent stimmen der Aussage zu, dass die Immobilienwirtschaft genau dieses Engagement im ausreichenden Maß zeigt. Dass die Branche ihre Leistungen für die Gesellschaft besser erklären muss, sagen 83 Prozent.

Reputation mit direkter Auswirkung auf das operative Geschäft 

Die Ergebnisse zeigen deutlich, dass trotz aller Bemühungen etwa der Verbände, die Bedeutung und den Beitrag der Immobilienbranche für die Gesellschaft nach vorne zu stellen, seitens der Unternehmensvertreter selbst in dieser Frage immer noch ein erheblicher Nachholbedarf gesehen wird, kommentiert Matthias Freutel, Head of Real Estate bei Edelman.ergo die Ergebnisse. Bevölkerungsweite Umfragen wie das Edelman Trust Barometer zeigen, dass die Öffentlichkeit Unternehmen eine hohe Kompetenz in der Lösung gesellschaftlicher Aufgaben zubilligt, womit auch eine klare Erwartungshaltung in dieser Richtung formuliert ist. Insofern ist es nur konsequent, wenn auch die Immobilienprofis ihre Branche hier in der Pflicht sehen.

Die Umfrageergebnisse verdeutlichen zudem: Der Ruf eines Unternehmens wirkt sich direkt auf dessen wirtschaftliche Perspektiven aus. So sind 87,9 Prozent der Meinung, dass die eigene Reputation für die Positionierung als potenzieller Geschäftspartner wichtig oder sehr wichtig ist. Weiterhin sehen 84,4 Prozent eine hohe oder sehr hohe Bedeutung für den Zugang zu Eigenkapital. Ferner ist die Reputation bei der Beurteilung, ob ein anderes Unternehmen für sie als Geschäftspartner infrage kommt, für zwei Drittel der Befragten ein wichtiges oder sehr wichtiges Kriterium. Sie rangiert damit noch vor dem Preis der angebotenen Produkte und Leistungen.

Edelman.ergo wird die Detailergebnisse der Umfrage, in der auch die Mediennutzungs- und Kommunikationsgewohnheiten von Immobilienprofis abgefragt wurden, am heutigen Dienstag in München mit Branchenvertretern diskutieren. Die Veranstaltung im Rahmen der Expo Real beginnt um 13:00 Uhr in Messehalle B2, Konferenzraum B22.