Food Trends 2015 – Ernährung als Ausdruck unseres Lebensstils

von Lynn Hadler
  • Studien & Insights
20. Juli 2015
Food Trends Deutschland 2015

Das erste Halbjahr 2015 ist um: Zeit zurückzublicken und vorauszuschauen. Edelman hat die aktuellen Food Trends unter die Lupe genommen, denn Lebensmittel und Ernährung sind nicht nur der Aktualität wissenschaftlicher Erkenntnisse unterworfen, sondern auch stark von Lifestyle Trends geprägt und so längst Ausdruck unseres Lebensstils geworden. Doch was ist neu im Jahr 2015? Wir haben zehn Food Trends zusammengestellt, die darauf eine Antwort geben und zeigen, dass die Themen rund um Lebensmittel, Genuss und Ernährung von vielen unterschiedlichen Interessensgruppen gesteuert und beeinflusst werden.

Gesund & Verantwortungsvoll 

Egal ob Grünkohlchips, getrocknete Goji-Beeren, Chia-Samen-Pudding oder Matcha-Latte - gesunde Snacks und sogenannte Superfoods werden immer beliebter. Die Konsumenten wünschen sich von Lebensmitteln einen Zusatznutzen für die Gesundheit und ihr persönliches Wohlbefinden. Aber auch die Herkunft der Lebensmittel steht im Fokus. Deutlich sichtbar wird dies an den wachsenden Bio-Sortimenten in Supermärkten und auf Wochenmärkten, dem zunehmenden Trend des Urban Gardenings in den Großstädten und dem gesteigerten Interesse der Konsumenten an biologisch angebauten, regionalen und lokalen Lebensmitteln. 

Der Umgang der Bevölkerung mit Lebensmitteln wird bewusster, das verdeutlicht auch ein gesteigertes Bewusstsein für Lebensmittelverschwendung. Nachhaltigkeit ist nicht nur in Anbau und Herstellung, sondern auch in der Küche ein Thema. Dennoch landen rund 11 Millionen Lebensmittel jedes Jahr in Deutschland im Müll. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft engagiert sich mit der Aktion Zu gut für die Tonne gegen diese Verschwendung. Aber nicht nur die Regierung, sondern auch Hersteller, Händler - und neuerdings auch Gastronomen - setzen sich immer stärker mit diesem Problem auseinander und reagieren mit eigenen Aktionen. Ob Tipps und Tricks, wie Verbraucher diesem Problem mit der richtigen Aufbewahrung entgegenwirken können oder Food-Boxen für Reste im Restaurant - die Food-Branche lässt sich immer mehr einfallen, um die Lebensmittelverschwendung zu minimieren und das Bewusstsein der Konsumenten zu schärfen. 

Individuell & Selbstgemacht 

Doch nicht nur der Anspruch an Produkte und ihre Herkunft wächst, auch der Anspruch an den Einkauf und die Zubereitung. Im Fokus: Bequemlichkeit und Frische. Kochboxen liefern jeden Monat frische Zutaten, zusammen mit dazugehörigen Rezepten, Tipps zur Zubereitung und Hintergrundinformationen zu den Produkten. Sie erfreuen sich zunehmender Beliebtheit, denn die Lebensmittel sind direkt auf die gebuchte Anzahl von Gerichten und Rezepte zugeschnitten. Rezepte suchen, Einkaufslisten schreiben, Schlange stehen im Supermarkt oder auf dem Wochenmarkt entfällt, die frischen Zutaten werden direkt an die Haustür geliefert. 

Kochen ist wieder in und folgt dem Macro-Trend für Do-it-yourself. Auch im Handel und der Produktentwicklung spiegelt sich der Trend in der Craft-Bewegung wider. Der ursprünglich durch die Craft-Bier-Bewegung entstandene Trend greift nun auch auf die Food-Branche über. Die Nachfrage nach handgefertigten Produkten in kleiner Auflage und aus speziellen lokalen Zutaten nimmt stetig zu. Durch authentische Hintergrund-Storys, selbstgemachte Produkte und individuelle Verpackungen heben sich die Craft-Produkte von der Massenware ab und tragen zu einer neuen Food-Kultur bei. Konsumenten wünschen sich die Möglichkeit, Produkte individuell zusammenzustellen und ihren Bedürfnissen anzupassen. 

Essen wird zum Erlebnis und gemeinschaftlichen Event 

Besondere Geschmackserlebnisse versprechen auch sogenannte Food-Trucks. Rollende Küchen, die anstatt Currywurst und Pommes moderne To go-Alternativen wie Tofu-Burger, Pulled-Pork-Sandwiches oder Dumplings anbieten. Sie sind der Kern der neuen Streetfood-Bewegung und kommen auf Food-Märkten zusammen, um ihre Spezialitäten in besonderer Vielfalt anzubieten. Dabei geht es nicht nur um den Genuss, sondern auch um das Miteinander, denn die Besucher können gemeinsam an aufgestellten Tischen essen. Diesem Trend folgen auch private Kochpartys, bei denen gemeinsam mit Fremden gekocht wird oder sogenannte Food-Swaps, bei denen Selbstgemachtes aus der Küche verköstigt und untereinander getauscht wird. 

Und auch digital wird die Mahlzeit zum Erlebnis, da sie zunehmend via Foto in den sozialen Netzwerken geteilt wird. Durch Foto-Communities wie Instagram und Pinterest wird Ernährung öffentlich und zum Ausdruck des eigenen Lebensgefühls (#Foodporn). Jeden Monat twittern ca. 15.000 User in Deutschland über ihre Mahlzeiten. Besonders die Generation der Millennials nutzt das digitale Umfeld für die Selbstdarstellung in Sachen Ernährung und Lifestyle. 

Individuelle Diäten und Ernährung als Lifestyle 

Proteinbasierte Diäten und Ernährungskonzepte sind im Trend und Teil eines neuen Lifestyles, so zum Beispiel Low Carb oder Paleo. Während Proteine bisher zumeist über tierische Produkte wie Kuhmilch, Fleisch oder Eier aufgenommen wurden, gewinnt aktuell auch die Proteingewinnung aus Pflanzen wie Soja, Lupinen, Erbsen, Bohnen oder Nüssen an Popularität - u.a. in der veganen Ernährung. Und auch neue tierische Proteinquellen, wie z.B. Mehlwürmer oder Heuschrecken, bieten Potenzial als Fleischersatz. Doch nicht nur proteinreiche Ernährung ist Trend, auch Frei von-Lebensmittel werden zunehmend Teil der Ernährungskonzepte. Die Industrie hat den Trend erkannt. Glutenfrei, laktosefrei, ohne Gentechnik oder Konservierungsstoffe: Immer häufiger begegnet uns die Frei von-Philosophie in Supermärkten, Cafés und Restaurants. 

Informierte & aufgeklärte Verbraucher 

Zur Bekämpfung von Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes setzt die Regierung verstärkt auf das sogenannte Nudging: das sanfte Anstoßen mündiger Verbraucher, ohne diese durch Regulierungen zu bevormunden. Dazu haben die Fraktionen CDU/CSU und SPD am 13. Januar 2015 den Antrag Gesunde Ernährung stärken - Lebensmittel wertschätzen eingebracht. Gefordert wird: Reduktion von Zucker, Fett und Salz in Fertigprodukten; Ernährungsbildung z.B. durch das Einführen von sogenannten Ernährungsführerscheinen in den Grundschulen, gesündere Mahlzeiten in Schulen, quengelfreie Kassen sowie Förderung der Wertschätzung von Lebensmitteln. 

Auch in den Medien nimmt das Thema Ernährung zunehmend mehr Raum ein, denn der Appetit der Konsumenten auf Food-Inhalte ist groß. Sie wollen nicht nur Lebensmittel konsumieren, sondern sich über alles rund um Neuheiten, Trends und Rezepte informieren. Das zeigt auch die Anzahl von Neuerscheinungen auf dem deutschen Markt. Die Themenvielfalt reicht von Vegetarismus/Veganismus, gesunder Ernährung und ländlicher Küche über süße Backwaren und junge Küche. 

Die Trends decken ein breites Feld ab und sind nicht nur für die Forschung und Entwicklung oder den Vertrieb relevant, sie liefern auch konkrete Handlungsanweisungen für die Kommunikation. Wir verstehen es als unsere Aufgabe, neue Trends frühzeitig zu erkennen, unsere Kunden aus der Lebensmittelindustrie in diesem komplexen Themenumfeld zu navigieren, ihre Position zu definieren und diese in zeitgemäßen PR-Konzepten zu kommunizieren.

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