US Election 2016: Takeaways für deutsche Unternehmen

von Steffen Braun, Head of Political Communication
  • Statements
18. Oktober 2016

Wie die Öffentlichkeit und Unternehmen in den USA auf den Präsidentschaftswahlkampf reagieren und was Deutschland daraus lernen kann diskutierten am 14. Oktober rund 30 Unternehmensvertreter mit Steve Schmidt, Vice Chair Public Affairs bei Edelman in Washington, D.C. Schmidt, der als Wahlkampfstratege für George W. Bush, Arnold Schwarzenegger und John McCain gearbeitet hat, gab Einblicke in eine vollkommen von den Regeln abweichende US-Präsidentschaftswahl und teilte seine Einschätzungen, was diese Entwicklungen für die Bundestagswahl 2017 in Deutschland bedeuten. Dies hier sind die vier wichtigsten Takeaways für deutsche Unternehmen und ihre CEOs:

1. In 2016, it's not the economy, stupid
Eine bisher unumstößliche Grundregel amerikanischer Wahlkämpfe war, dass das bessere wirtschaftspolitische Konzept die halbe Miete für den Einzug ins Weiße Haus bedeutet. Das ist dieses Jahr fundamental anders. In 2016 ist Protektionismus und die Ablehnung des Freihandels en vogue, genauso wie die Abkehr von offenen Grenzen und die damit eingeschränkte Mobilität von Arbeitskräften. Anti-Positionen zu klassischen Herzensanliegen der Wirtschaft finden großen Zuspruch in der Wählerschaft. In den USA von Bernie Sanders und Donald Trump getrieben, lässt sich diese Entwicklung in fast allen westlichen Industrienationen beobachten. Auch in Deutschland werden erste Stimmen laut, die vor den Folgen dieser Politik warnen.

2. Wo ist die Stimme der Wirtschaft?
Angesichts der potentiellen ökonomischen Folgen, ist die Reaktion vieler amerikanischer Unternehmen und Verbände auf die protektionistischen Tendenzen ungewöhnlich zurückhaltend. Ob aus Sorge vor einer Gegenreaktion ihrer Kunden oder aus einem anders gelagerten Interessensfokus heraus: Eine kollektive Reaktion auf die teilweise massiv wirtschaftsfeindlichen Positionen, oder auch eine Positionierung zu anderen Zukunftsthemen, ist ausgeblieben. Das hat in den USA dazu geführt, dass sich Debatten ohne eine starke Stimme der wirtschaftlichen Vernunft entfalten konnten.

3. Haltung lohnt sich
In starkem Kontrast dazu stehen Unternehmen, die eine zu ihren Geschäftszielen passende gesellschaftspolitische Haltung entwickeln und gegenüber ihren Stakeholdern, Investoren, Mitarbeitern oder Kunden kommuniziert haben. Die großen Tech-Konzerne in den USA machen es gerade vor, wie eine politische Positionierung die eigenen Wachstumsziele und Regulierungsanliegen im Wahlkampf um eine gesellschaftliche Dimension ergänzt, die den eigenen Zielen neue Legitimität verschafft. Denn für Kunden ist die gesellschaftspolitische Haltung inzwischen enorm wichtig. Das zeigen auch die Ergebnisse des Edelman Trust Barometers 2016: 92 Prozent der Deutschen wollen mit Unternehmen zu tun haben, die ihre Haltung teilen. Gleichzeitig lohnt sich die gesellschaftspolitische Positionierung für Unternehmen auch intern. Insbesondere die Mitarbeiteridentifikation steigt, wenn Unternehmen gesellschaftspolitisch aktiv werden.

4. CEOs machen den Unterschied
CEOs spielen eine zentrale Rolle in diesem Prozess. Nur wenn die gesellschaftspolitische Positionierung zum CEO und zum Unternehmen passt, wird diese als glaubwürdig wahrgenommen. Dass CEOs bei der Diskussion gesellschaftlicher Themen persönlich sichtbar sein sollten, glauben laut dem Trust Barometer auch 77 Prozent der Deutschen. Diese Erwartungshaltung spiegelt auch die Einstellung der Politik gegenüber den Unternehmen wider: 57 Prozent der Politiker finden, Manager werden ihrer gesellschaftlichen Verantwortung nicht gerecht.

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