Pharmaindustrie: Steigendes Vertrauen in Deutschland?

von Martin Flörkemeier
  • Statements
14. Februar 2011
Pharmaindustrie: Steigendes Vertrauen in Deutschland?

Zum elften Mal haben wir dieser Tage die Ergebnisse des Edelman Trust Barometers präsentiert. Flashlights sind 2011 sicherlich das wachsende Vertrauen in die Wirtschaft, der anhaltende Siegeszug der Technologiebranche und der ebenfalls gleichbleibende Vertrauensverlust bei CEOs (wenn es um Informationen zu den von ihnen repräsentierten Unternehmen geht).

Was mich in diesem Jahr wirklich erstaunt hat, ist der signifikante Vertrauensgewinn der pharmazeutischen Industrie in Deutschland: 57 Prozent der Befragten in Deutschland vertrauen darauf, dass die Pharmaindustrie das Richtige tut. Das ist immerhin ein Zuwachs von 22 Prozentpunkten! Auch im Vergleich mit anderen Industriesektoren liegt die Pharmaindustrie in Deutschland nun im gesunden Mittelfeld - nur übertroffen von Einzelhandel und Telekommunikation sowie der Automobil-, Biotechnologie- und Technologiebranche. Verloren haben 2011 die Ernährungsindustrie und Energieversorger. Banken und Versicherer hatten bereits 2009 die letzten Plätze dieses direkten Vergleichs eingenommen. 

Wie aber kommt dieser hohe Wert zustande? Können wir wirklich davon ausgehen, dass Arzneimittelhersteller in Deutschland in einem Jahr soviel Vertrauen hinzugewinnen konnten? Ich glaube das nur bedingt. Denn der starke Vertrauenszuwachs für die Pharmaindustrie in Deutschland bringt nun erstmals seit Beginn unserer Erhebung vor zehn Jahren die deutschen Werte in die Region der internationalen Vergleichswerte. Insofern spiegeln sie den allgemeinen Trend wider, den wir 2011 bei den deutschen Trust-Werten beobachten: Mehr Zuversicht, höheres Vertrauen - vor allem in die Industrie. Aber es gibt sie noch, die für uns Deutsche angeblich so typische Skepsis: Im Vergleich, der 23 am Trust Barometer beteiligten Märkte, schaffen wir es mit den 57 Prozent Vertrauen in die Pharmaindustrie nur auf Platz 15.  

Und auch für das mit Blick auf andere Industriebereiche vergleichsweise gute Abschneiden mag es unterschiedliche Gründe geben, z.B. das Abrutschen anderer Sektoren (s.o.) oder die Tatsache, dass es 2010 weniger bis keine großen Branchenkrisen gab. Auf der anderen Seite glaube ich aber auch, dass gerade die von uns Befragten die Wertschöpfung der Pharmaindustrie mittlerweile objektiver beurteilen. In der Wirtschaftsberichterstattung wird der Pharmasektor momentan ja eher als sehr verlässlich dargestellt und die Bemühungen der Unternehmen in Richtung Fokussierung, Verlängerung der Wertschöpfungskette oder strategische Forschungs-Partnerschaften werden durchaus gewürdigt. Ich bin deshalb gespannt, diese Daten und Interpretationen mit Ihnen zu diskutieren. Denn auf jeden Fall sollten Sie Arzneimittelherstellern Mut machen, dass ein Dialog mit anderen Interessensgruppen im Gesundheitswesen auf dieser Basis einfacher wird!  

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