„Nun sag, wie hast du’s mit der Nachhaltigkeit?“ – Nachhaltigkeitskommunikation als Chance für die Lebensmittelbranche

von Thomas Fiege, Account Executive
  • Statements
03. November 2015
Bio Fast Food in Berlin Mitte

Das Geschäft mit Bioprodukten boomt. Aber auch über Bio hinaus steigt das gesellschaftliche Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Lebensmittelwirtschaft. Lebensmittelhersteller sind gefordert, transparent über ihr nachhaltiges Engagement zu berichten - nicht nur mit Blick auf die zukünftige Berichtspflicht, sondern auch für den Aufbau von Vertrauen.

Nachhaltigkeit ist zu einem entscheidenden Kriterium für die Kaufentscheidung geworden - im Supermarkt ebenso wie im Online-Handel oder im Restaurant. Über die Hälfte der Deutschen ist bereit, mehr Geld für Produkte von Unternehmen auszugeben, die sich für Gesellschaft und Umwelt engagieren, so eine aktuelle Studie des Marktforschungsunternehmens Nielsen. Das sind 20 Prozent mehr als noch im Jahr 2011. Besonders im Lebensmittelbereich besteht ein Trend zu nachhaltigen Produkten. Dieser beginnt und endet jedoch nicht mit Produkten aus ökologischer Landwirtschaft, den eigentlichen Bio-Produkten. Verbraucher interessieren sich für Nachhaltigkeit entlang der gesamten Lebensmittel-Wertschöpfungskette: Von der Ressourcengewinnung über die Verarbeitung bis hin zu Verpackung und Transport und letztlich auch der Verwertung bzw. Entsorgung. Eine umweltfreundliche Verpackung wirke sich zu 40 Prozent auf die Kaufentscheidung aus, so Nielsen. Mit Blick auf die Umweltfreundlichkeit haben konventionelle Produkte teilweise sogar Vorteile gegenüber Bio-Produkten, legt eine Metaanalyse britischer Forscher nahe. Der Blick auf die gesamte Kette ist entscheidend, nicht auf einen einzelnen Produktionsschritt. 

Nachhaltiger Konsum auf der politischen Agenda 

Auch in der Politik steht das Thema Nachhaltiger Konsum weit oben auf der Agenda. Als einer der Kernpunkte ihrer Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie will die Bundesregierung "umweltverträgliche und ressourcensparende Produktions- und Konsummuster" in Deutschland vorantreiben. Derzeit erarbeitet sie unter Federführung des Bundesumweltministeriums und des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz ressortübergreifend ein Nationales Programm für Nachhaltigen Konsum. Als Auftakt veranstalten beide Ministerien am 5. November eine Konferenz in Berlin, um sich mit Experten und anderen Stakeholdern aus Wirtschaft, Politik und Zivilgesellschaft auszutauschen. Auch über Verbraucherinformation sowie Strategien für eine nachhaltige Ernährungspraxis soll diskutiert werden. 

Nachhaltigkeit: Schere zwischen Wichtigkeit für die Öffentlichkeit und Leistung der Hersteller 

Ein Auszug zum Vertrauen in die Lebensmittelwirtschaft aus der globalen Vertrauensstudie Edelman Trust Barometer 2015 zeigt, welche Verhaltensweisen von Unternehmen der Öffentlichkeit wichtig sind und wie sie die Leistung der Lebensmittelwirtschaft in diesem Zusammenhang bewertet: 78 Prozent der Befragten gaben an, es sei ihnen wichtig, dass ein Unternehmen zunehmend nachhaltig wirtschaftet und über seine Fortschritte transparent berichtet. Nur knapp über die Hälfte stimmt jedoch zu, dass Lebensmittelhersteller dies bereits zufriedenstellend umsetzen. 

Dachverband zeigt, wie's geht: Berichterstattung gemäß Nachhaltigkeitskodex 

In Deutschland könnte und sollte sich dies bald ändern, denn die Branche treibt beide Themen voran. Für viele Lebensmittelhersteller ist nachhaltiges Wirtschaften heute bereits ökonomisch unabdingbar, weil ohne eine intakte Umwelt, eine kaufkräftige Gesellschaft sowie gesunde Konsumenten keine Gewinne möglich sind, sagt Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer des Dachverbands der deutschen Lebensmittelindustrie BVE. Ab dem Geschäftsjahr 2017 tritt die Berichtspflicht zu nichtfinanziellen Kennzahlen, wie soziale und umweltbezogene Faktoren, in Kraft. Pünktlich zur Leitmesse Anuga hatte die BVE Mitte Oktober einen Branchenleitfaden zum Deutschen Nachhaltigkeitskodex (DNK) vorgestellt. Dieser entstand in Kooperation mit dem Rat für Nachhaltige Entwicklung und soll kleinen und mittleren Unternehmen der Lebensmittelindustrie Orientierung geben. Beim Erstellen des Nachhaltigkeitsberichts sollten Unternehmen darauf achten, dass die Informationen so aufbereitet sind, dass alle Stakeholder sie nachvollziehen können. Ansprechend visuell aufbereitete Daten können zum Beispiel auch als Info-Häppchen in der Social-Media-Kommunikation genutzt werden. Denn Häppchen sind leichter zu verdauen als das volle, mehrgängige Menü. Durch zielgruppengerechte Kommunikation wird der Nachhaltigkeitsbericht von einer Pflichtinvestition zu einer Investition in das öffentliche Vertrauen - und insbesondere das Vertrauen der Verbraucher. 

Für den Konsum der deutschen Verbraucher wird Nachhaltigkeit immer wichtiger. Von den Lebensmittelherstellern fühlen sich viele jedoch nicht ausreichend über deren Engagement informiert. Durch eine stakeholdergerechte Nachhaltigkeitskommunikation können diese Vertrauen aufbauen.

Ansprechpartner