Ernährung aller Menschen oder Spezialitäten aus aller Welt? – Rückblick Internationale Grüne Woche 2016

von Anna-Luise Fuchs, Media Relations Specialist
  • Statements
29. Januar 2016
Internationale Grüne Woche in Berlin

Am 24. Januar 2016 ist in Berlin die Internationale Grüne Woche 2016, die größte Lebensmittel- und Landwirtschaftsmesse der Welt, zu Ende gegangen. Das Food Team von Edelman.ergo war mehrfach vor Ort und lässt die wichtigsten Eindrücke Revue passieren.

Die ganze Welt des Essens - und eine deutsch-deutsche Currywurst

Im 90. Jahr seit der Gründung der Grünen Woche empfingen 1.660 Aussteller aus 65 Ländern rund 400.000 Besucher. Zu den größten Attraktionen der Verbrauchermesse gehörte die Bierhalle, wo mit Craft Beer und Co. auf 500 Jahre Reinheitsgebot angestoßen wurde. Wer eher ein Weinfreund ist, kam an den Ständen der deutschen Bundesländer auf seine Kosten. Die Halle von Rheinland-Pfalz feierte zum Beispiel 200 Jahre Weinregion Rheinhessen. Besucher konnten sich dort durch die Premium-Produkte der traditionellen deutschen Winzerkunst testen. 

Kulinarisch blieb kein Wunsch offen: Von regionalen Spezialitäten sowohl deutscher als auch internationaler Regionen bis hin zu neuen Trends der Foodie-Gesellschaft war alles vorhanden und es durfte nach Herzenslust probiert werden. Ein Highlight war sicherlich die Fusion-Currywurst, mit der der jahrzehntelange Streit um die Erfindung der Currywurst beigelegt werden sollte: Eine Berliner Brühwurst trifft auf Currysoße aus dem Ruhrgebiet. Kulinarische Konfliktlösung mit schmackhaftem Ergebnis! 

Hedonistische Wegwerfgesellschaften treffen auf eine hungernde Weltbevölkerung 

Abseits des Gedränges und fast unbemerkt von den konsumfreudigen Verbraucherströmen bemühten sich Regierungen, Industrie und NGOs aus aller Herren Länder um Konfliktlösungen mit deutlich größerer Tragweite als der wohlgepflegte Currywurst-Streit: Wie ernähren wir die Weltbevölkerung von morgen? Wie verhindern wir, dass in Industrieländern mehr Essen in der Tonne landet, als die Entwicklungsländer zur Lösung des Hungerproblems benötigen würden? Diesen und weiteren Fragen wurde auf der Grünen Woche und auf den begleitenden Diskussionsveranstaltungen nachgegangen. 

Immer mehr Menschen, immer weniger Platz - Wege aus dem Hunger der Mega-Städte 

Es war eine kleine Revolution zum 90. Jubiläum der Internationalen Grünen Woche: Obwohl die Messe traditionell in das Hoheitsgebiet des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) fällt, sorgte ein anderes Ministerium mit einer eigenen Halle für Aufsehen. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) widmete sich dem zentralen Thema unserer Zeit: globaler Ernährungssicherung. Ohne anzuklagen beleuchtete das BMZ in einer Ausstellung Herausforderungen und Lösungsansätze. Denn Schätzungen zufolge hungern heute rund 800 Millionen Menschen weltweit, eine weitere Milliarde ist mangelernährt. Ein Problem, das sich in Zukunft noch verschärfen wird, denn die Weltbevölkerung wird in den nächsten 35 Jahren um zwei Milliarden auf insgesamt neun Milliarden Menschen anwachsen. Darüber hinaus werden 75 Prozent dieser Menschen in Städten leben, die größtenteils aus dem Umland ernährt werden müssen. 

Abseits der eigentlichen Messe, beim Global Forum for Food and Agriculture (GFFA) und dem Berliner Agrarministergipfel, stellten sich Agrarminister aus 65 Nationen diesen Herausforderungen. Urban Farming - die Nutzung städtischer Freiflächen zur Lebensmittelerzeugung - oder Precision Farming - hochtechnisierte Landwirtschaft zur besseren Flächennutzung - waren nur zwei von vielen diskutierten Möglichkeiten. Die daraus abgeleiteten Selbstverpflichtungen der Minister und die Handlungsaufforderungen für die Nationen wurden im Anschluss an das Forum in der GFFA Kommuniqué veröffentlicht. 

Wertvolle Lebensmittel - zu gut für die Tonne?! 

Im Durchschnitt werfen deutsche Verbraucher jedes achte Lebensmittel, das sie kaufen, weg. Hinzu kommen Tonnen von hochwertigen Lebensmitteln, die aus der Wertschöpfungskette direkt in die Tonne wandern, bevor sie den Weg zu den Kühlschränken finden. Zusammen ergibt das eine Gesamtmenge von elf Millionen Tonnen guter Nahrung, die jedes Jahr verschwendet wird. Um all diese Abfälle gleichzeitig zu transportieren, müssten 275.000 LKW bis zum Rand beladen werden, die aneinandergereiht genauso lang wären wie die Strecke von Lissabon nach Moskau. Mit diesen und anderen Fakten rüttelte das BMEL die Messebesucher auf und sagte Lebensmittelverschwendung mit der Kampagne Zu gut für die Tonne den Kampf an. Unterstützt wird die Bundesregierung dabei sowohl von der EU als auch von der Industrie. An den Ständen von BMEL, Europäischer Kommission und den Dachverbänden der Lebensmittelwirtschaft BLL und BVE konnten Verbraucher zum Beispiel lernen, wie sie durch richtiges Verstauen und Kühlen ihrer Einkäufe vorzeitiges Verderben verhindern können. 

Fazit: Die Grüne Woche als Kommunikationsplattform 

Die Internationale Grüne Woche ist auch im 90. Jahr ihres Bestehens zentraler Treffpunkt aller Akteure der Lebensmittelbranche - national und international. Hier treffen sich Branche und Konsumenten, werden Trends vorgestellt und Konflikte diskutiert. Damit bietet die Grüne Woche einen ideale Plattform für alle Unternehmen und Verbände der gesamten Lebensmittelwirtschaft von Acker bis Teller, die ihren Verbrauchern näher kommen, deren Wünsche nach Transparenz erfüllen und offen kommunizieren möchten.

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