Im Land der Skepsis

von Alexander Fink
  • Statements
26. Januar 2012

Das jüngste Trust Barometer von Edelman macht es deutlich: nicht nur der Euro leidet an Schwindsucht, sondern auch das Vertrauen in unsere Instanzen. Zunächst sank die Glaubwürdigkeit von Unternehmen gegenüber 2010 von 52 auf 34 Prozent. Dass die Politik das Vertrauen weiter verspielt und ihr nur noch jeder Dritte traut, mag dagegen aufgrund der Planlosigkeit in der Eurokrise und der erschreckend vielen hausgemachten Probleme noch weniger überraschen. Die Unternehmen insgesamt haben es vor diesem Hintergrund versäumt, sich deutlich von der Politik abzusetzen. Dazu haben einzelne Branchen besonders beigetragen: Banken und Finanzdienstleister sind aufgrund der jüngsten Entwicklungen Schlusslichter in Sachen Glaubwürdigkeit. Sympathisch dagegen, dass die Automobil- Telekommunikations- und Technologieunternehmen erneut die erfolgreichsten Branchen in Sachen Vertrauen sind.

Wenn wir bilanzieren, dass Unternehmen und Politik bei 34 bzw. 33 Prozent Vertrauen liegen, stellt sich die Frage, wem die Bevölkerung dann noch ihr Vertrauen schenkt? Die Antwort: Leuten wie Du und ich, Berufskollegen! Auch das ein Beleg für das tiefe Misstrauen in Instanzen, Experten oder Analysten, aber eben auch Firmenlenker, denen nur zu 21 Prozent vertraut wird. 

Welche erste Schlussfolgerungen ergeben sich aus der Edelman-Trust Studie 2012 für Politik und Unternehmen:  

Die Politik muss die Erwartungen der Bürger deutlich besser in Tat und Kommunikation erfüllen als bisher. Unternehmen erhalten von den Bürgern keinen Freibrief, von der Politik wird erwartet, dass sie Auswüchse durch Regulierung eindämmt aber auch den Rahmen für erfolgreiches Wirtschaften legt. Unternehmen schaffen alleine über die Darstellung ihrer wirtschaftlichen Leistungskraft nur bei rund 30 Prozent unserer Bevölkerung Vertrauen. Erst die zusätzliche gesellschaftliche und soziale Verantwortung, die sie wahrnehmen, erhöht diesen Wert. Die Akzeptanzsteigerung wird aber künftig immer wichtiger, um alle Stakeholder zu erreichen und von dieser auch betriebswirtschaftlich zu profitieren. Der Einzelne wird als Vertrauensquelle immer wichtiger - seine Wirkung wird durch die sozialen Netzwerke immer stärker für die allgemeine Urteilsbildung. NGOs haben keinen Freibrief - sie werden vom mündigen Bürger kritischer hinterfragt. Die Medien als Aufklärer haben dagegen im letzten Jahr an Vertrauen gewonnen.  

Für die Unternehmen und Politik bedeuten die Ergebnisse des Trust Barometers 2012, den Kampf um verlorenes Vertrauen energisch aufnehmen zu müssen. Unternehmen dürfen sich nicht darauf ausruhen, dass die Gewinne ja doch sprudeln - so wie sich die Politik nicht hinter makroökonomischen Sachzwängen verstecken darf.

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