FinTech: valides Geschäftsmodell oder Hype?

von Alexander Schmidt, Head of Financial Relations
  • Statements
04. April 2017
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Bits & Bytes - sie verändern unser Leben, unseren Alltag. Können Sie sich noch an die Zeit ohne Smartphone erinnern? In einer atemberaubenden Geschwindigkeit kommen immer neue Technologien. Diese Veränderung erleben wir derzeit auch im Finanzbereich.

Junge FinTechs drängen auf den Markt und wollen das Banking grundlegend ändern. Sie rufen quasi eine Revolution aus. Dabei stellt sich nun die Frage: Können sie ein valides Geschäftsmodell entwickeln oder ist es nur ein Hype?

Mitte der 1990er Jahre hieß es, die Banken seien die neue Stahlindustrie. Deutschland sei overbanked. Viele Branchenvertreter hatten dafür nur ein müdes Lächeln übrig. Doch rund zwei Dekaden später ist das Lächeln aus den Gesichtern der Manager verschwunden: Sie kämpfen mit Niedrigzins, immer stärkerer Regulierung, hohen Fixkosten und einem sich rapide ändernden Kundenverhalten. Und als ob dies nicht schon herausfordernd genug wäre, stehen auch noch neue Wettbewerber auf der Matte, die den Druck erhöhen - die FinTechs.

In der Szene herrscht eine außerordentliche Dynamik, auch hierzulande. Eine Studie von comdirect* zeigt, dass es etwa 544 FinTechs hier in Deutschland gibt. Im Jahr 2016 flossen knapp mehr als 500 Millionen Euro Risikokapital in das Segment.

Die FinTechs sind also angetreten, den Banken ernstzunehmende Konkurrenz zu machen - so zumindest ihr Anspruch. Das spiegelt sich auch in den Teilbereichen wider, in denen es die meisten FinTechs gibt: PropTech (also Real Estate) mit 145 und der Finanzierungsbereich mit 130. Viele FinTechs zeichnet aus, dass sie ihre Angebote, insbesondere im klassischen Privatkundensegment, in erster Linie von der Konsumentenseite her denken und entsprechend designen. Das ist definitiv ein Pluspunkt.

Aber nicht nur die Gestaltung, auch die Angebote vieler FinTechs lassen klassische Bankprodukte teilweise alt aussehen: Viele Finanzinstitute haben sich in den vergangenen, von Niedrigzinsen geprägten Jahren bemüht, ihren Kunden eine Anlage in Aktien schmackhaft zu machen. Mit sehr überschaubaren Erfolg: Die Aktionärsquote verharrt hierzulande auf überschaubarem Niveau, 2015 lag sie laut Studie der Aktion pro Aktie bei etwa 14 Prozent.

Robo Advisor ermöglichen es nun interessierten Anlegern, schnell und einfach in Aktien oder ETFs zu investieren. Die Risikobereitschaft wird dabei automatisch wie Anlagepräferenzen ermittelt. Am Ende steht meist ein langfristig ausgerichteter Sparplan, der dem Privatinvestor eine bessere Rendite ermöglicht, als er sie mit seinem Sparbuch erreichen könnte.

Robo Advisor als auch andere FinTechs stehen jedoch vor einer grundsätzlichen Herausforderung: Damit sie profitabel werden, müssen sie eine entsprechend hohe Kundenzahl generieren. Um dies aus eigener Kraft zu erreichen, bedarf es entsprechenden Marketingaufwands, Geduld und eines überzeugenden Angebots. In Anbetracht der hohen Wettbewerberzahl, auch durch traditionelle Banken, die eigene Robo Advisor entwickeln, nicht einfach: So gehen FinTechs, die eigentlich die Finanzbranche revolutionieren wollten, Kooperationen mit traditionellen Anbietern ein - denn diese habe bereits eine ausreichend große Kundenzahl.

Klar ist auch, wie bei allen anderen risikokapitalfinanzierten Start-ups, dass nicht alle überleben werden. Im Endeffekt wird es eine Konsolidierung geben und einige FinTechs werden übrigbleiben. Im Paymentsegment war das schon zu beobachten: Yapital wurde ebenso wie mpass eingestellt.

Die Branchenvertreter, Banken und FinTechs, werden gemeinsame Ökosysteme bauen müssen, um erfolgreich zu sein. Der Erfolg des Einen bedingt den Erfolg des Anderen. So wie etwa bei den App Stores von Apple oder auch Google. Denn die wahre Bedrohung für Banken dürften letzten Endes nicht die FinTechs dieser Welt sein, sondern große Techkonzerne wie Amazon, Facebook, Alibaba & Co.

Der Artikel ist im Original im Kapitalmarktmagazin Going Public, Ausgabe Februar/März 2017, erschienen.

*Edelman.ergo Kunde

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