Der Patient im Mittelpunkt? In guten wie in schlechten Zeiten!

von Martin Flörkemeier, Managing Director & Sector Lead Health
  • Statements
24. November 2016
Martin Flörkemeier: Managing Director und Sector Lead Health, Edelman.ergo

Wow – da scheitert eine Phase III-Studie eines Arzneimittel-Kandidaten im Kampf gegen Alzheimer. Und damit auch die Hoffnung, den ersten Vertreter einer neuen Klasse von Alzheimer-Medikamenten entwickeln zu können. Soll heißen, dass die Studienergebnisse nicht die hohen Erwartungen erfüllt haben, der mit Alzheimer einhergehende Gedächtnisabbau nicht verlangsamt werden konnte und der Arzneimittelhersteller den Wirkstoff nicht weiter zur Zulassung einreichen will. Ein Rückschlag in der Pharmaforschung heißt es über alle Medienkanäle. Und die entsprechenden Reaktionen lassen nicht lange auf sich warten: Das Marktpotenzial für wirksame Alzheimer-Medikamente wird auf zweistellige Milliardenbeträge geschätzt. Auch die Börse reagierte daher bitter enttäuscht schrieb beispielweise das Handelsblatt in seiner gestrigen Ausgabe. Die Aktie von Eli Lilly (#notaclient) stürzte ab, auch andere Unternehmen, die an ähnlichen Wirkstoffen forschen, büßten ein.

Und doch gelingt es dem Unternehmen in seiner Kommunikation meines Erachtens nach, den wirklich wichtigen Fokus wiederherzustellen: Leider zeigt die Solanezumab-Studie EXPEDITION3 nicht die erhofften Ergebnisse. Wir sind darüber enttäuscht – auch für die vielen Menschen, die auf eine Therapie warten, die potentiell den Verlauf der Alzheimer-Krankheit verzögern kann, so Dr. Lechleiter, CEO des Unternehmens in der gestrigen Pressemitteilung. Und Dr. Jan Lundberg, Forschung-Chef und Mitglied des Vorstandes dankt den Patienten, ihren Familien und den Ärzten, die an der Studie teilnahmen. Soweit das zu erwartende Pflichtprogramm. Aber Lilly geht weiter: In einer Video-Botschaft aus dem Geburtshaus von Dr. Alois Alzheimer im bayerischen Marktbreit unterstreicht Lechleiter eindrucksvoll, wie wichtig die Beteiligung der Patienten und ihrer Angehörigen an diesen Studien, wie groß ihr Einsatz ist. Ganz ausdrücklich bedankt er sich bei allen Patienten und Angehörigen, die an der Studie teilgenommen haben und bedauert, das nicht bei jedem Einzelnen persönlich machen zu können. Für mich zeigt er so, dass der vielmals zitierte Patient im Mittelpunkt für ihn nicht nur eine Floskel ist.

Ich bin beeindruckt, finde das authentisch. Andere Meinungen? Danke!

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