Beacon am Bacon – Mobile Information im Supermarkt der Zukunft

von Thomas Fiege
  • Statements
16. Februar 2015
Smartphone im Supermarkt

Flexitarier, Gluten-Vermeider, Paleo-Esser - Ernährung dient heute nicht mehr nur dazu, den Körper mit überlebenswichtigen Nährstoffen zu versorgen, sondern ist ein Ausdruck von Lifestyle und Persönlichkeit geworden. So individuell wie Menschen ihre Ernährung zusammenstellen, lassen sich Mobilgeräte wie Smartphones, Tablets oder Wearables auf die unterschiedlichen Informationsbedürfnisse hin konfigurieren. Im Supermarkt der Zukunft kommt beides zusammen.

Mehr als die Hälfte der Internetnutzer in Deutschland geht mit dem Smartphone ins Internet, so die Ergebnisse der repräsentativen ARD/ZDF-Online-Studie 2014. In der Altersgruppe unter 30 sind es sogar 81 Prozent. Nicht nur zu Hause, sondern auch unterwegs nutzen inzwischen 50 Prozent das Internet. 2012 war es noch weniger als ein Viertel. Eine deutlich steigende Zahl der Deutschen hat das Internet damit quasi immer mit dabei und kann zeit- und ortsunabhängig darauf zugreifen. Sei es, um Informationen abzurufen, mit Freunden zu kommunizieren, Ereignisse zu kommentieren oder Produkte und Orte zu bewerten. 

Einkauf im Supermarkt als Szenario für mobile Information 

Ein alltäglicher Ort, an dem mobile Information relevant wird, ist der Supermarkt. 26 Prozent der Onliner möchte während des Einkaufs im Supermarkt Informationen zu Lebensmitteln auf dem Smartphone abrufen, hat das Marktforschungsinstitut Fittkau & Maaß Consulting im Auftrag der Internet World Messe in einer internet-repräsentativen Studie herausgefunden. Mobile Information ist für den stationären Lebensmitteleinzelhandel Chance und Herausforderung gleichermaßen. Lebensmittelallergiker, Vegetarier und Veganer, Bio-Käufer, aber auch weitere Verbrauchergruppen haben ein Interesse daran, Informationen zu einzelnen Produkten auf das Mobilgerät zu holen, idealerweise zugeschnitten auf die jeweils individuellen Präferenzen und mit einem möglichst angenehmen Übergang von analog nach digital.  

QR-Codes: Symbolträchtig, aber nur Nischenbedeutung 

QR-Codes sind im Supermarkt allgegenwärtig. Auf Flaschen und Dosen finden sie sich ebenso wie auf Keks- und Tiefkühlverpackungen und versprechen Online-Hintergrundinformationen zu Zutaten, Produktionsprozessen oder gesellschaftlichem Unternehmensengagement. QR-Codes sind zum Symbol für digitale Information geworden. Sie fungieren als Übergangsportal zwischen analoger und digitaler Welt. Nach dem Entschlüsseln des Codes beim Scannen werden die Nutzer auf die hinterlegte Website-Adresse weitergeleitet, ohne selbst etwas eingeben zu müssen. Entgegen der Symbolkraft ist die tatsächliche Nutzung von QR-Codes jedoch gering. Nur etwas mehr als ein Prozent der Deutschen nutzte sie im Jahr 2013 häufig. Ein Hindernis mag darin bestehen, dass mobile Betriebssysteme wie Googles Android standardmäßig keine App zum QR-Code-Scannen mitbringen. Der User muss sich im Online-Portal eine der vielen Apps aussuchen, diese installieren und vor dem Scannen starten - für viele scheinbar zu viel Mühe.  

iBeacon: Hyper-lokale Information am Point of Sale 

Ein zukunftsträchtiges Verbindungsstück zwischen analoger und digitaler Welt sind sogenannte iBeacons - eines der Hype-Themen der letzten zwei Jahre im Mobile-Bereich. Beacons, englisch für Leuchtfeuer, ermöglichen hyper-lokale, mobile Information. Es handelt sich um kleine Sender, die beispielsweise am Warenregal installiert werden können. Sie senden automatisch Informationen an das Mobilgerät eines Nutzers, wenn sich dieser in direkter Nähe befindet. Für die Bewerbung von Sonderangeboten oder das Registrieren von Treuepunkten, z.B. wenn ein loyaler Kunde mehrmals ein Geschäft betritt, experimentiert der Handel bereits kräftig mit der Technologie. Auch auf Messen werden Beacons bereits testweise eingesetzt. In Museen könnten sie zukünftig z.B. kunsthistorische Informationen anzeigen, wenn ein Besucher vor einem Bild steht. Aber auch für den Bereich der Lebensmittelinformation sind Beacons interessant. So könnten dem Nutzer direkt am Warenregal oder an der Fleischtheke Informationen zu Herkunft und Produktionsbedingungen von Lebensmitteln angezeigt werden - ein Beacon am Bacon sozusagen. Möglich wäre es auch, detaillierte Informationen zu Zutaten oder Nährwerten zu geben. Der Verbraucher müsste dafür nicht einmal das Produkt aus dem Regal nehmen. Ein Durchsetzen dieser Technologie steht und fällt natürlich mit der Akzeptanz der Verbraucher. 

Datenbrille: Individuelle Verbraucher-Information im Blickfeld 

Noch einen Schritt weiter gehen Augmented-Reality- und Virtual-Reality-Datenbrillen: Hier wird die Lücke zwischen analoger und digitaler Welt geschlossen, indem digitale Elemente und Informationen in die reale oder auch künstliche Umgebung integriert werden. Im Bereich der Navigationstechnologie können dem Nutzer ortsrelevante Informationen wie Abbiegepfeile angezeigt werden. Zu Orten oder Gegenständen im Blickfeld können Hintergrundinformationen eingeblendet werden. Während sogar Leitmedien genüsslich das Scheitern des Projekts Glass von Google kommentierten (Scheininnovation), scheinen sie bei anderen Projekten wie Oculus Rift oder Microsofts HoloLens freudig zu hyperventilieren.  

Vorstellbar wäre ein Einsatz solcher Datenbrillen auch im Supermarkt der Zukunft. Der Verbraucher könnte seine individuellen Ernährungspräferenzen, inklusive eventueller Unverträglichkeiten und Allergien, im System voreinstellen: Fisch, aber kein Fleisch, Laktose ja, Gluten nein. Im Supermarkt würden ihm dann Symbole in seinem Blickfeld anzeigen, welche Produkte für ihn geeignet oder aufgrund von Allergenen oder bestimmter tierischer Bestandteile möglicherweise nicht geeignet sind. Mobile Information würde hier extrem simpel und automatisiert erfolgen. Das Standardisierungs-Unternehmen GS1 hatte 2014 bereits eine experimentelle App für Google Glass vorgestellt, die Nährwertinformationen, Übereinstimmungen mit Ernährungspräferenzen und Warnungen anzeigen konnte. Die Einstellung des Projekts Glass dürfte auch das Ende dieser App bedeuten. Zukünftig wird es eine gemeinsame kommunikative Herausforderung für die Hersteller von Mobilgeräten und Mobile Apps einerseits und die Lebensmittelwirtschaft andererseits sein, potenzielle Nutzer von solchen Innovationen zu überzeugen - das Bedürfnis nach mobiler Information im Supermarkt besteht bereits heute. 

Verbraucher wünschen sich im Supermarkt mobile Informationen zu Lebensmitteln. Mit QR-Codes, iBeacon und Datenbrillen sind bereits Technologien vorhanden, die dies ermöglichen (könnten). Nun müssen die Anbieter Überzeugungsarbeit leisten.

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