Am Tag danach: Cookies gegen den Election-Blues

von Vanessa Bütof
  • Statements
10. November 2016
Vote Stars Cookies bei der US-Wahl 2016 in New York

Amerika hat gewählt. Endlich, dachten sich die meisten US-Bürger gestern. Doch heute Morgen fragen sich viele auch: Was jetzt? Am Wahltag hatte ich bereits einen Beitrag geschrieben. Der Ton leicht sarkastisch und die Präsidentin Hillary. In der New Yorker Blue-Bubble deutete alles auf einen Sieg Clintons hin: Die Experten waren sich einig und auch die Hillary Cookies und Cupcakes in der kleinen Bäckerei im Chelsea Market waren ausverkauft. Viele, die Dienstagfrüh im Edelman Büro in 250 Hudson St ankamen, hatten Hillary gewählt. Trump war für sie keine Option. Einige Kolleginnen trugen stattdessen blau - im Haar, an den Schuhen oder eben im Hosenanzug - aus Solidarität mit der ersten Major-Party-Präsidentschaftskandidatin der US-Geschichte und als Zeichen dafür, dass mitten im Medien-Chaos auch politische Geschichte geschrieben werden sollte. Nun, es wurde Geschichte geschrieben, allerdings eine andere als erwartet. Denn der neue Präsident heißt Trump - und nicht nur ich muss mich neu sortieren.

Auf den Straßen in New York ist noch die Streetart der Wahlkämpfer zu sehen, die bis zum Schluss überall waren: Clintons Unterstützer mit Spraypaint und Hashtags, Trumps mit Aufklebern und einer Botschaft an die Vergessenen. An der Kaffeemaschine im New Yorker Büro gibt es viele ungläubige, müde und traurige Gesichter: I feel like I am in Black Mirror, it's an alternate reality. Das trifft es wohl für die meisten hier. 36 Prozent der Wähler sagen laut CNN, dass der Wahlsieg Trumps ihnen Angst macht.

Die New Yorker hatten auch einfach nicht damit gerechnet, dass Trump gewinnen könnte. Stattdessen haben sie den extremen Wahlkampf mit Humor genommen und lieber gebacken. Im Chelsea Market, der ehemaligen Oreo-Bäckerei im Stadtteil Greenwich, verkauften die Bäcker der Fat Witch Bakery das Allheil-Mittel gegen Voter-Sorgen: Election Cookies und Candidate Cupcakes. Die Freiheitsstatue in Red, White and Blue und Vote-Sternchen motivieren Touristen für Selfies und Amerikaner zum Wählen. Tatsächlich waren in diesem Jahr landesweit erstmals über 200 Millionen Wähler registriert - mehr als jemals zuvor. Die Spielkarten- und Cupcake-Motive mit Queen Hillary und King Donald sind lustig und bunt, täuschen aber nicht über die kollektive Wahlstimmung der letzten 18 Monate hinweg: Die Menschen wählten in diesem Jahr nicht begeistert für ihre Überzeugungen, sondern aus Pflicht und gegen die Werte der anderen.

Misstrauen und Wut sind die zentralen Motive der beiden großen Kampagnen in den USA. Trump hat allerdings auch taktisch den Dagegen-Zeitgeist getroffen und mit Hilfe von Twitter ein #Movement geschaffen - schnell, nah dran, kontinuierlich und direkt. Er hat sich nicht an die Regeln und Wege gehalten, sondern immer genau das Gegenteil dessen gemacht - und damit die Wahl gewonnen: Statt auf Medien und Celebrities setzte er auf Social Media um 3 Uhr morgens und Konfrontation. Statt auf elaborierte emotionale Ads setzte er auf Earned Content. Statt auf nuancierten Politiker-Sprech setzte er auf kurze, politisch inkorrekte Botschaften.

Trump hat nicht nur Clinton geschlagen, sondern auch den traditionellen amerikanischen Wahlkampf und alle Pollster, die ihn in den letzten Wochen und Monaten als Verlierer gesehen hatten: The day data died wurde heute in der Nachberichterstattung zum geflügelten Wort und Wahlkampfmanager und Kommunikationsmenschen werden sich noch länger damit beschäftigen, was hier schiefgelaufen ist und wo nachjustiert werden muss. Mit diesen Eindrücken und ersten Learnings der US-Wahl 2016 schauen wir nun nach Europa und die Wahlen, die hier anstehen. Es bleibt spannend - gut, dass es Cookies (und Donuts*) gibt!

* Election Day 2016 hieß für die 14 Edelman Büros in den USA #TimeOffToVote. Damit alle Mitarbeiter ihrem demokratischen Recht nachgehen konnten, verschob das Leadership-Team kurzerhand die Öffnungszeiten, um den Morgen für die Wahl freizumachen. Die Botschaft: Der wichtigste Job heute ist wählen. Zur Belohnung gab es ab 11:30 Uhr Democracy-Donuts. Der Aktion schlossen sich auch unter anderem Unternehmen wie Starbucks, WeWork und Tory Burch an.

Die Autorin Vanessa Bütof ist Digital Content Manager im Corporate Affairs Team von Edelman.ergo. Zurzeit ist sie im Rahmen unseres internen Austauschprogramms DiscoverEe für zwei Wochen im New Yorker Edelman Büro. Auf unserem Edelman.ergo Instagram Kanal findet Ihr viele tolle Bilder von ihren Eindrücken und Erlebnissen.