Interview mit #30u30-Teilnehmer Danny Schwarze

  • Backstage
24. Februar 2015
Danny Schwarze im 30u30 Interview

Aus über 150 Bewerbungen wurde die dritte Generation der #30u30-Crew 2015 ausgewählt. Das erste Treffen haben die jungen Talente bereits hinter sich gebracht. Jetzt geht es in 2er-Teams an die Arbeit, um die Wettbewerbsaufgabe Wie wird die Digitalisierung anschlussfähig möglichst innovativ, kreativ und erfolgreich zu lösen. Mit dabei ist auch Danny Schwarze ( @derBasil), Account Executive bei Edelman. Zwischen Agenturtrubel und Bearbeiten der Wettbewerbsaufgabe hat er sich ein paar Minuten Zeit genommen, um uns ein paar Fragen zu beantworten.

Danny, wie bist Du eigentlich in der PR-Branche gelandet?
Danny: Während des BWL-Grundstudiums kam der Tag, an dem ich mich für eine Spezifizierung im Hauptstudium entscheiden musste. Finance war mir zu trocken, Unternehmensberatung auch. Die Welt der Kommunikation erschien mir anders: vielseitiger, farbenfroher. Außerdem ist es fast der einzige Berater-Job, in dem ich nicht täglich einen Anzug tragen muss. Darüber hinaus rede ich gerne und viel. Somit stand die Entscheidung fest und ich habe sie bisher nie bereut.

Was glaubst Du sind Deine Stärken und warum wurdest Du für #30u30 ausgewählt?
Danny: Meine Stärken? - Puh. Also zum einen mit Sicherheit eine gesunde Portion Selbstreflektion. Ich glaube es ist sehr wichtig, sich selbst und sein Handeln regelmäßig und mit zeitlichem Abstand zu hinterfragen. Zusammen mit dem Feedback aus meinem Umfeld kann ich mich so weiterentwickeln, persönliche Stärken und Schwächen herausarbeiten, aber auch Fehler erkennen und versuchen, diese in Zukunft zu vermeiden. Eine zweite Stärke, die irgendwo damit zusammenhängt, ist Authentizität. Und die äußert sich nicht in erster Linie dadurch, dass ich fast immer ein Karohemd trage und ein Cappy auf dem Kopf habe. Es geht vielmehr darum, wie man sich verhält, wie man mit seinem Mitmenschen umgeht, Ideen anbringt, Standpunkte kommuniziert, sich bei Konflikten verhält etc. Authentisches Verhalten führt automatisch immer zu mehr Glaubwürdigkeit - egal ob bei Kollegen, Kunden oder privat. Zu guter Letzt würde ich Kreativität als eine meiner Stärken bezeichnen. Ich bin sehr gut informiert über die Dinge, die sich in der Kommunikation da draußen verändern, begeistere mich für tolle Kampagnen und versuche neue Impulse gleich in Ideen für Kunden und Prospects umzusetzen. Ich glaube, diese Dinge waren zentrale Punkte bei der Empfehlung durch meine Kollegen für die #30u30 - und sie haben das #30u30 Team offensichtlich auch überzeugt.

Welchen Eindruck hast Du von den anderen Teilnehmern und deren Präsentationen gewonnen? Harte Konkurrenz?
Danny: Die #30u30-Crew 2015 ist ein bunter Haufen junger Professioneller, denen ich eine ertragreiche Zukunft in der Kommunikationsbranche vorhersage - oder ohne amouröse Anspielung: Wenn wir tatsächlich ein repräsentativer Querschnitt der Zukunft der Kommunikation sind, dann kann die Zukunft nur geil werden! Und zwar in all ihren Facetten. Vom Account Management Guru, über den Social Media Experten bis hin zum kreativen Querdenker. Vom aufstrebenden PR-Studenten über den ,typischen' Agentur-Berater bis hin zum etablierten Kommunikator im Unternehmen. Es ist einfach alles vertreten. Chapeau für diese Auswahl, Herr Kunkel! Dabei hat mich eine Sache sehr glücklich gemacht: Wir alle schaffen es, uns aufrichtig für die Arbeit der anderen zu begeistern. Und wir alle sollten uns den Gefallen tun, diese Einstellung beizubehalten. Denn manchmal ist es für die eigene Weiterentwicklung wichtig, anzuerkennen, dass andere etwas einfach richtig gut oder auch besser gemacht haben. Nur wenn wir uns als Branche gemeinsam weiterentwickeln, wird sich langfristig etwas in den Köpfen unserer Auftraggeber ändern - egal ob intern oder extern. Harte Konkurrenz? Auf jeden Fall. Problem? Im Gegenteil.

In Deinem Feature in der Watchlist steht, dass es für Dich das größte Kompliment ist, wenn Deine Oma eine Deiner Kampagnen kennen und mit Dir verbinden würde. Wie erklärst Du Deiner Oma was du machst?
Danny: Das kann ich meiner Oma so oft erklären wie ich möchte, aber auf der Metaebene wird sie es wohl nie mehr begreifen. Reklame, Werbung, Zeitung, irgendwas mit dem Internet - alle diese Begrifflichkeiten sind schon im Gespräch gefallen, wenn ich es mal wieder versucht habe. Daher wäre es vergleichbar mit dem Ritterschlag, wenn ich meiner Oma von einem Projekt erzählen würde und der Funke automatisch überspringt, ohne meine zweieinhalbstündige Transferleistung.

Und wie würdest Du ihr erklären, was mit Digitalisierung gemeint ist?
Danny: Digitalisierung ist, dass sie mit dem Hörer durch die Wohnung laufen kann während sie telefoniert. Sie kann mich sogar auf einem Bildschirm sehen, wenn ich mit ihr telefoniere (und meine Mutter mit Smartphone zu Besuch ist), obwohl ich 650 km entfernt bin. Sie kann die Lindenstraße auch dann sehen, wenn sie eine Folge verpasst hat, weil sie sich bei ihrer Nachbarin verquatscht hat. Digitalisierung bedeutet aber auch, dass ihr Nachbar Heinz doppelt so schnell sein neues Kniegelenk bekommen hat, wie der Fritz vor zehn Jahren, weil es mit einem 3D-Drucker hergestellt wurde. Und besser laufen kann er damit auch noch. Ich glaube es ist wichtig, Menschen der Generation, in der früher eh alles besser war, anhand von konkreten Beispielen aufzuzeigen, dass Digitalisierung in vielen Bereichen ihres Alltags einen wirklichen Mehrwert schafft. Nur so lassen sich Unsicherheit, Unverständnis und Desinteresse überwinden.

Siehst Du andere Teilnehmer im Vorteil bei dem Thema, weil sie vielleicht durch ihre Jobbeschreibung täglich mehr damit zu tun haben als Du?
Danny: Ich bin davon überzeugt, dass in diesem Wettbewerb keiner einen wirklichen Vorteil aufgrund seiner täglichen Arbeit hat. Es kommt vielmehr darauf an, das Thema und die Aufgabe für sich zu interpretieren und für diese Interpretation ein gelungenes Konzept zu kreieren. Das ist sowohl Herausforderung als auch Segen des sehr offenen Briefings.

Zur Zeit wird viel diskutiert, wie sich Agenturen zukünftig aufstellen müssen, um der Digitalisierung zu begegnen. Bist Du auch der Ansicht, dass es neue Agenturmodelle braucht?
Danny: Die Digitalisierung ist für Agenturen meiner Meinung nach das geringere Problem. Denn in dem Tempo, in dem digitale Spielarten der Kommunikation relevant werden, etabliert sich entsprechendes Know-how dazu. Das zentrale Problem unserer Branche ist, dass wir zu sehr mit uns selbst beschäftigt sind. In der Zeit, in der wir darüber diskutieren, ob jetzt Content Marketing nicht eigentlich Content Strategy heißen sollte, welchen Adelstitel nun der Context bekommt und welches Medien-Endzeitszenario uns nun am besten gefällt, überholen uns Player aus anderen Bereichen wie Werbung, Marketing, Media und Digital. Der Kampf um die dicken Fische wird unübersichtlicher und Kommunikationsagenturen müssen sich, um wettbewerbsfähig zu bleiben, die richtigen Köder zurecht legen. Und wenn ich diese Köder nicht in meinem eigenen Koffer habe, dann sollte ich wissen, bei wem ich sie mir leihen kann.

Denkst Du bzw. merkst Du vielleicht auch schon, dass der Wettbewerb #30u30 den sogenannten War for Talents fördert?
Danny: Auch wenn ich bis dato nichts Konkretes mitbekommen habe: #30u30 ist Teil des ,War for Talents'. Es würde mich wundern, wenn sich für den ein oder anderen aus der #30u30-Crew nicht neue berufliche Perspektiven aus diesem Wettbewerb ergeben. Das liegt auch daran, dass die Watchlist, die Videos, die Kommentare und schließlich die Konzepte einen tieferen Einblick in die Fähigkeiten jedes Einzelnen bieten. Der Wildwuchs an Berufsbezeichnungen macht es, glaube ich, zunehmend schwierig für HR-Verantwortliche den Überblick zu behalten und diejenigen zu finden, die zu den vakanten Stellen und zur Unternehmenskultur passen. Denn der ,Account Manager Brand Marketing and Product Communications' kann in der nächsten Agentur oder Abteilung ,Berater Markenkommunikation' heißen. Da bietet der #30u30-Wettbewerb schon ganz andere Möglichkeiten spezielle Talente zu identifizieren.

Was erhoffst Du Dir von Deiner Teilnahme an #30u30 und worauf freust Du Dich am meisten?
Danny: Ein Wunsch hat sich bereits erfüllt: Interessante und inspirierende Kolleginnen und Kollegen kennenlernen und sich in guter Atmosphäre austauschen - und hoffentlich in Kontakt zu bleiben. Zum anderen habe ich bei #30u30 die Möglichkeit konzeptionell zu arbeiten, was einem PR-Berater oftmals im operativen Tagesgeschäft nur bedingt möglich ist. Ich freue mich am meisten auf die nächsten Wochen Konzeption mit meiner großartigen Kollegin Kristina und auf das Konzept, was am Ende dabei herauskommt. Das besondere ,Bonbon' wird dann die Preisverleihung am 16. April in Berlin, wo wir alle gemeinsam vor allem eines tun sollten: Uns selbst feiern!

Du hast vielleicht auch die Chance, nach Cannes zu fahren und beim internationalen Young-Lions-PR-Wettbewerb anzutreten. Das ist nochmal eine ganz andere Hausnummer, oder?
Danny: Definitiv. Cannes ist größer, bunter, internationaler als (fast) alles andere. Die Kampagnen, die dort Awards gewinnen, sind alle durch die Bank weg beeindruckend - jede auf ihre eigene Art und Weise. Sich dort beweisen zu dürfen, im Wettbewerb mit Talenten aus der ganzen Welt und vor einer internationalen Jury, wäre etwas ganz besonderes.

#30u30 bedeutet für mich...
Danny: ...30 Leute, von denen man noch viel hören und sehen wird.

#Digitalisierung bedeutet für mich...
Danny: ...die Zukunft unserer Gesellschaft.

#Kommunikation bedeutet für mich...
Danny: ...täglich Brot und Lebensaufgabe zugleich.

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