Erklären und vermitteln – Pharma Relations-Portrait über Martin Flörkemeier

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22. Februar 2016
Martin Flörkemeier: Managing Director und Sector Lead Health, Edelman.ergo

Im Juli dieses Jahres feiert Martin Flörkemeier, Managing Director Edelman.ergo und Sector Lead Health, sein 20-jähriges Agenturjubiläum. Doch auch nach der langen Zeit im Agenturbusiness spürt er noch immer keinerlei Ermüdungserscheinungen, sondern ganz im Gegenteil: Die Gesundheitskommunikation bietet seiner Einschätzung nach eine solche Themenvielfalt und immer wieder neue Herausforderungen, dass die Arbeit gar nicht langweilig werden kann. Jutta Mutschler von dem Magazin Pharma Relations hat Martin Flörkemeier getroffen.

Als persönlichen Ansporn nennt er die Sinnhaftigkeit der Gesundheitskommunikation, die einen klaren Nutzen für die Patienten und die Gesellschaft habe. An der Agenturarbeit schätzt er die Arbeit im Team und die Möglichkeit, immer wieder Neues zu lernen. Im Fokus steht dabei, dass die Ideen und deren kreative Umsetzung Kommunikationslösungen generieren, die den Kunden einen Mehrwert bieten. Gemäß seinem Lebensmotto Hic Rhodus hic salta ist es Flörkemeier wichtig, nur Dinge zu versprechen, die er auch tatsächlich halten kann. Das ist für ein Maßstab, an dem ich mich beruflich wie privat orientiere.

Spannende Themen zu finden und darüber zu schreiben, begeisterte Martin Flörkemeier bereits in der Schulzeit - dieses Interesse setzte er auch als Redakteur der Schülerzeitung um. Nach seinem Abitur und der Bundeswehrzeit studierte er Anglistik und Geschichte auf Lehramt in Kiel, weil mich diese Fächer einfach am meisten interessiert haben. Während des Studiums engagierte er sich im ASTA, bei der Fachschaft sowie im Studierenden-Parlament der Kieler Uni. Diese Zusatzaktivitäten neben dem Studium waren für ihn persönlich wichtig, denn ich wollte aktiv die Unipolitik mitgestalten.

Flörkemeier nutzte auch die Gelegenheit, für ein Jahr als Assistant Teacher nach Belfast zu gehen. Dieses Jahr in Nordirland war in vielerlei Hinsicht einfach klasse und lehrreich. Zum einen hat Flörkemeier dort seine spätere Frau kennengelernt - das war das private Highlight des Auslandjahres. Außerdem drehte Flörkemeier mit zwei Kommilitonen einen Dokumentarfilm über den Nordirlandkonflikt. Ein Auslöser für diesen Film war ein Proseminar in Geschichte zum Thema Entstehung des Nordirlandkonfliktes. Die Diskussionsbeiträge einiger Studienkollegen in diesem Seminar fand Flörkemeier teilweise zu sehr von Ideologien getrieben und zu unausgewogen. Dieses Schwarz-Weiß-Denken und die Festlegung von Gut und Böse war mir zu einfach. Damit wollte ich mich nicht zufrieden geben, berichtet er. Mit der Dokumentation wollten wir vorurteilsfrei diesen Konflikt beleuchten und den Gründen für die Auseinandersetzungen nachspüren.

In diesem Zusammenhang macht Flörkemeier deutlich, dass sich dieser Antrieb, Dingen auf den Grund gehen zu wolllen, Erklärungen zu finden und sich nicht mit einfachen Antworten zufrieden zu geben, wie ein roter Faden durch sein Leben zieht. Ich möchte erklären, vermitteln und diskutieren. Das Jahr als Assistant Teacher in Belfast brachte ihn zu einer wichtigen Erkenntnis: Meine Studienfächer entsprachen nach wie vor meinen Interessen, aber meine Erfahrungen in den Schulen in Belfast haben mir gezeigt, dass der Lehrerberuf nichts für mich ist.

Diese Entscheidung wurde durch ein Praktikum, das Flörkemeier in den Semesterferien im Healthcarebereich bei Edelman absolvierte, verstärkt. Ich habe festgestellt, dass es neben dem Lehrerberuf auch noch andere Möglichkeiten gibt, um meinen Lebensunterhalt zu verdienen. Die PR-Arbeit habe ihm auch deshalb so viel Spaß gemacht, weil es zu seinem Charakter passte: schnell in unterschiedliche Themen einarbeiten, diese Themen dann für die verschiedenen Zielgruppen verständlich aufbereiten und erläutern. Ich fand die PR-Welt total spannend und faszinierend. Das Praktikum hat Flörkemeier schließlich so nachhaltig beeindruckt, dass er seine Konsequenzen aus den Erfahrungen zog und vom Lehramt- auf ein Magisterstudium wechselte.

Nach Abschluss des Studiums war für Flörkemeier der berufliche Weg klar. Ich wollte auf alle Fälle in einer PR-Agentur arbeiten. Dass er dann tatsächlich wieder in Frankfurt bei Edelman landete, war eher dem Zufall geschuldet, denn im Healthcarebereich war eine Traineestelle frei. Flörkemeier bewarb sich und bekam schließlich den Job. Im Juli 1996 begann damit seine Karriere im Agenturbusiness. Bei Edelman habe ich das PR-Handwerk von der Pike auf gelernt.

Seit 2003 leitet er den Healthcaresektor von Edelman in Frankfurt. Auch nach 20 Jahren Gesundheitskommunikation verspürt er nach eigenem Bekunden keinerlei Verschleiß- oder Ermüdungserscheinungen. Dass die Arbeit nach wie vor spannend und reizvoll sei, liege an ganz unterschiedlichen Faktoren. Die Healthcarebranche bietet immer wieder vielfältige und breitgefächerte Themenspektren, so Flörkemeier. Durch die Marktentwicklungen und -veränderungen stehen wir immer wieder vor neuen Herausforderungen und Aufgaben. Es gebe immer mehr relevante Stakeholder, neue Kommunikationskanäle, mehr Informationen, die gebündelt und vernetzt zu den passenden Zielgruppen gebracht werden müssten. Die Themen werden erklärungsbedürftiger - aber das macht die Kommunikationsarbeit spannender und ein Stück weit herausfordernder.

Die Relevanz der Gesundheitskommunikation spiele für ihn persönlich eine zunehmend wichtige Rolle, denn langsam komme ich selbst in ein Alter, wo ich die Neuerungen und Innovationen der Pharmaindustrie immer mehr zu schätzen lerne, sagt Flörkemeier lachend. Im weiteren Verlauf des Gesprächs kommt Flörkemeier unmittelbar wieder auf eine durchaus ernsthafte Betrachtung der Gesundheitskommunikation zurück. Durch Erlebnisse im Freundeskreis bin ich persönlich noch überzeugterals früher, dass das, was wir tun, eine Bedeutung hat und wichtig ist. Seriöse und verantwortungsvolle Gesundheitskommunikation zum Nutzen von Patienten zu entwickeln und umzusetzen, ist ein zentraler Ansporn für Flörkemeier und sein Team. Darüber hinaus decke sich diese Vorgehensweise mit der Philosophie von Edelman. Diese Sinnhaftigkeit des Tuns ist ein weiterer Grund dafür, dass die Healthcarekommunikation für ihn auch nach 20 Jahren nicht ihren Reiz verloren hat.

Dass er nun doch schon einige Jahre im Agenturbusiness auf dem Buckel habe, zeige sich mitunter an den Reaktionen jüngerer Mitarbeiter, wenn Flörkemeier von seinen Erfahrungen früherer PR-Kommunikationsarbeit berichtet. Das wirkt manchmal schon so, als würde Opa aus dem Krieg erzählen. Doch Flörkemeier nimmt das durchaus mit Humor und räumt ein, Erfahrungen seien in der Gesundheitskommunikation durchaus wichtig - aber nur ein Teil des Erfolges. Von Bedeutung sei darüber hinaus, dass man in der Lage sei, verschiedene Bereiche wie Digital, Social Media, Bewegtbild und Corporate sinnvoll zu verknüpfen. Erfolgreiche Kommunikation entsteht im Austausch und in der Diskussion mit verschiedenen Experten aus den unterschiedlichen Bereichen, so der Healthcarekommunikationschef. Die verschiedenen Bereiche müssen dann sinnvoll verzahnt werden, denn im Fokus allen Tuns stehe bei Edelman die Frage: Was nützt dem Kunden? Kommunikation ist dann erfolgreich, wenn sie dem Kunden einen Mehrwert bietet. Bei Edelman werde dieser kontinuierliche Austausch zwischen den Units gelebt, was für Flörkemeier von zentraler Bedeutung ist. Dieser Austausch ist spannend für mich, aber auch für unsere Mitarbeiter und Kunden.

In diesem Kontext betont Flörkemeier auch wie wichtig ihm persönlich die Zusammenarbeit im Team ist. Wir haben viele erfolgreiche Projekte gemeinsam entwickelt und umgesetzt. Dass diese Aussage nicht einfach nur so dahin gesagt ist, beweisen zahlreiche Kommunikationspreise, die Edelman in der Vergangenheit gewonnen hat. Und last but not least: Vermutlich arbeite ich deshalb so gerne im Team, weil wir einfach tolle Mitarbeiter haben. Als Chef versuche er, so transparent und offen wie möglich zu agieren. Er beschreibt seine Rolle innerhalb des Teams als die eines Dirigenten, der ein großes Orchester leitet. Darüber hinaus sehe er sich auch als Sparringspartner für seine Mitarbeiter. Doch es gebe einen Punkt, an dem er auch wütend werden könne. Nämlich dann, wenn ein einzelner Mitarbeiter seine eigene Agenda verfolge und dadurch nicht das beste Ergebnis im Team erreicht werden könne. Wenn Egos einer Sache im Wege stehen, stößt mein Verständnis an die Grenzen, so Flörkemeier.

Im beruflichen wie privaten Bereich begleiten Martin Flörkemeier zwei Lebensmotti, die auch seinen Charakter widerspiegeln. Zum einen nehme er Carpe diem, also den Tag nutzen, sehr ernst. Den Tag zu nutzen, bedeute für ihn sowohl in der Arbeit sein Bestes zu geben, aber auch einen Ausgleich zu haben mit Freunden und Familie - und diese Zeit auch zu genießen. Diese Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu haben, ist für mein Wohlbefinden extrem wichtig, so Flörkemeier. Das zweite Lebensmotto Hic Rhodus hic salta habe ihm sein Vater mit auf den Weg gegeben. Frei übersetzt bedeutet es, dass man nur Dinge versprechen sollte, die man auch wirklich einlösen kann. Nicht das Versprechen, sondern die wirkliche Tat zählt.

Auf die Frage, welche Persönlichkeiten er gerne treffen würde, nennt Flörkemeier zunächst seine beiden Großväter, mit denen er sich hätte über frühere Zeiten austauschen wollen. Auch Georg Elser, der mit seinem Attentat auf Hitler gescheitert ist, ist für Flörkemeier eine unglaublich spannende Persönlichkeit. Er hat aufgrund seiner festen Überzeugung den Mut aufgebracht, Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu leisten - und das als Einzelperson. Um nicht nur die Historie zu bemühen, habe er auch eine Wunschkandidatin aus der heutigen Zeit, nämlich die Schauspielerin Scarlett Johansson.

Privat genießt Flörkemeier Zeit mit seiner Familie und Freunden. Reisen und Kochen stehen bei Flörkemeier auf seiner privaten Agenda ganz oben. Alle zwei Wochen erlaube er sich eine Dr. Jekyll & Mr. Hyde-mäßige Verwandlung in einen fanatischen Fußballfan. Will sagen: Als leidenschaftlicher Fan von Eintracht Frankfurt lebt Flörkemeier das ganze Emotionsrepertoire im Stadion aus. Diese 90 Minuten im Stadion sind ein wunderbares Ventil zum Stressabbau. Es kommt eben immer auf die richtige Balance an. Die Autorin des Portraits ist Jutta Mutschler vom Magazin Pharma Relations.

Der Original-Artikel ist in der Print-Ausgabe von Pharma Relations 02/2016 erschienen.

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