Wie mache ich Karriere im internationalen Umfeld? – Rückblick Young PR Talents Event

von Kathy Gareis
  • Academy
15. Dezember 2014
Diskussionsrunde beim Young PR Talents Event 2014

Über 20 Young Professionals kamen am 24. November 2014 zum Young PR Talents Event von Edelman Frankfurt, um aus erster Hand zu erfahren, was es bedeutet, international zu arbeiten und welche Fähigkeiten man dafür mitbringen muss. Christine Schönfelder, Vice President Corporate Communications bei Styrolution, I'sys Caffey, Account Manager und Global Fellow bei Edelman und Susanne Marell, CEO Edelman Deutschland, sprachen unter der Moderation von Philip Müller, Geschäftsführer des PR Career Centers, über dieses Thema und beantworteten die Fragen der Nachwuchs PRler.

I'sys Caffey ist eine von zwölf Edelman Global Fellows und hat ihr Heimatbüro in Atlanta gegen einen Schreibtisch im Corporate-Team bei Edelman Frankfurt eingetauscht. Die Young Professionals interessierten vor allem die Vorteile eines solchen Austauschprogramms. I'sys Caffey erklärte, dass solche Programme vor allem helfen, sich frühzeitig ein internationales Netzwerk aufzubauen. Bei dem Edelman Global Fellows Programm lernen sich die Teilnehmer am Anfang bei einem Workshop in Chicago kennen und bleiben in der Regel auch danach weiter in Kontakt. Denn diese Kontakte kann man auch in der täglichen Arbeit nutzen - fachlich oder wenn man sich einfach mal über die Herausforderungen in einem fremden Land austauschen möchte. 

Styrolution ist ein relatives junges Unternehmen, das Styrolkunststoffe produziert. Als Christine Schönfelder dort anfing, musste die interne sowie externe Kommunikation erst einmal aufgebaut werden. Dafür erstellte sie u.a. eine Präsentation über das Unternehmen: Was ist Styrolution?. Diese zeigten sie in Asien, Amerika und Europa. Die Events, die die Präsentation umrahmten, waren völlig unterschiedlich aufgebaut und wurden den lokalen Gegebenheiten angepasst. In Brasilien gab es zum Beispiel einen Geburtstagskuchen für Styrolution und in Thailand wurde gebetet. Bei ihrer Arbeit als Vice President Corporate Communications hat sie Kontakt mit den verschiedensten Nationalitäten. Was sie dabei gelernt hat: Der Content ist immer derselbe, er wird nur anders kommuniziert. 

Viele junge PR-Talente haben oft Angst, für längere Zeit ins Ausland zu gehen und ihre Familie und Freunde während dieser Phase kaum oder gar nicht zu sehen. Auch I'sys Caffey hatte am Anfang Angst. Aber eine Mischung aus Aufregung und Angst ist gut, stellte Susanne Marell fest, das ist wie bei der Wahl des Ehemanns. Denn man möchte ja auch niemanden heiraten, der langweilig ist. Aber wie kommt man mit den unterschiedlichen Mentalitäten klar? Für I´sys Caffey gibt es auf diese Frage nicht die eine Lösung. Man muss lernen und offen für Neues sein. Denn wir haben alle die gleichen Ziele, nur die Prozesse sind andere. Wichtig ist es auch, mutig zu sein, Fragen zu stellen und zuzuhören, was die anderen einem sagen. Dem stimmt auch Christine Schönfelder zu, das sei zielführender als interkulturelle Trainings oder Seminare. 

Wie international ist die tägliche Arbeit wirklich? 

Bei Edelman sind rund 60 Prozent der täglichen Arbeit international geprägt - entweder durch die Zusammenarbeit mit internationalen Kollegen und Kunden, die ihren Hauptsitz in Deutschland haben oder durch die Arbeit für ausländische Kunden im deutschen Markt, hält Susanne Marell fest. Die Consumer Practice in Hamburg arbeitet sehr lokal, das Health-Team in Frankfurt hingegen agiert eher international. Um Medien in Asien ansprechen zu können, holte sich Christine Schönfelder Rat von Edelman. Das Corporate-Team setzte sich mit Edelman China und Indonesien in Verbindung und holte allgemeine Informationen ein: Sind die Menschen dort Frühaufsteher? Wann planen wir am besten welches Event? Es ist toll, wenn man auf so ein Netzwerk zurückgreifen kann, sagt Schönfelder. 

Put one's foot in one's mouth - so wird der Begriff Fettnäppfchen ins Englische übersetzt und damit brachte Philip Müller die Teilnehmer des Young PR Talents Event zum Lachen. In richtige Fettnäppfchen sind Susanne Marell, I´sys Caffey und Christine Schönfelder zum Glück noch nicht getreten. I´sys Caffey hat hier in Deutschland nur gemerkt, wie amerikanisch sie ist. Hier bin ich und habe brilliante Ideen - diese Einstellung hat sie hier abgelegt und hält sich etwas zurück, so geht sie potentiellen Fettnäppfchen aus dem Weg. Susanne Marell hat gelernt, dass der diplomatische Weg, der hier in Deutschland sehr erfolgreich ist, im Ausland jedoch nicht unbedingt mit Erfolg gekrönt ist. In anderen Ländern ist oft eine klare Ansage nötig, damit Dinge auch wirklich umgesetzt werden. 

Generation Y - Nimmt sie diese Herausforderungen an? 

Der Generation Y wird oft nachgesagt, sie sei uninteressiert und würde Herausforderungen scheuen. Aber stimmt das auch? Susanne Marell ist der festen Überzeugung, dass auch die jetzigen Studenten und Berufseinsteiger vor keiner Herausforderung zurück schrecken. In jeder Generation gibt es Persönlichkeiten, die die Liebe und Leidenschaft mitbringen, die es für diesen Beruf braucht. Auch die Teilnehmer des Young PR Talents Event sind dieser Meinung. Die Generation Y hinterfragt Dinge und sie machen nicht nur das, was man ihnen sagt. Sie wächst heute schon international auf und baut sich früh ein Netzwerk in der ganzen Welt auf - durch Schüleraustausche, Auslandssemester oder internationale Studiengänge. 

Philip Müller stellt fest, dass die PR eine weibliche Branche ist - was die zwei männlichen Teilnehmer des Young PR Talents Event nur bestätigen können. Trotzdem gibt es noch nicht viele weibliche Führungskräfte. Wird sich das in Zukunft ändern? Und wie schafft man es ganz nach oben? I simply did it! - sagt Susanne Marell und lacht. Am wichtigsten ist es, dass man authentisch ist und klar formuliert, was man will. Man muss dazu lernen und mit seiner Performance überzeugen. I'sys Caffey ist der Meinung, dass die Frauen auf der Überholspur sind. Wie man voran kommt? Man muss sich jeden Tag selbst herausfordern und man sollte nicht versuchen, sich wie ein Mann zu verhalten. Jeder sollte sich selbst treu bleiben. 

Tipps für Young PR Professionals 

Gegen Ende des Gesprächs gab jede der drei Damen den Teilnehmern noch einen persönlichen Tipp mit auf den Weg. Wie mache ich mich für meinen Arbeitgeber unentbehrlich? Das muss man sich immer fragen, rät I´sys Caffey, denn dann bekommt man Chancen angeboten. Christine Schönfelder findet, dass man Leidenschaft braucht für das, was man tut, denn dann ist man gut darin. Man muss Risiken eingehen, auch wenn man dabei stolpert. Danach geht man gestärkt daraus hervor. Man muss seinen eigenen Weg finden. Susanne Marell ist der Ansicht, dass man seine Comfort Zone verlassen muss. Und man braucht außerdem einen guten Mentor, der einem zur Seite steht und den Weg weist. 

Im Anschluss an das Gespräch gab es noch viele Fragen aus dem Publikum. Bei lockerer Atmosphäre und leckeren Snacks konnten die Teilnehmer sich untereinander über ihre Erfahrungen austauschen. Mein Fazit: Wer eine Karriere im internationalen Umfeld anstrebt, sollte offen, neugierig und lernfähig sein.

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